EU: Leben am Existenzminimum oder darunter ...

Frau Erika Fodor aus Ungarn schreibt:

Als ich 16 Jahre alt war, lernte ich meinen Mann kennen. Er lebte damals als Ungar in Rumänien. Bevor er zur rumänischen Armee einberufen wurde, bat er um meine Hand. So konnten wir nur brieflich in Kontakt bleiben. Später ließen wir uns in Rumänien bürgerlich und in Ungarn kirchlich trauen.

1991 wurde unser erster Sohn geboren: Richard. Leider mußten wir ihm im Alter von 10 Monaten operieren lassen. Er hatte eine Verengung der Luftröhre. Jetzt ist er fast 18 Jahre als, es geht ihm gut und er ist uns mittlerweile eine große Hilfe.

Als Richard im Vorschulalter war, wünschten wir uns ein weiteres Kind. Wir wünschten uns ein Mädchen.

Als ich in der 32. Woche schwanger war, kam heraus, daß mit dem Kind etwas nicht stimmt. Man vermutete, daß das Kind einen Wasserkopf habe und später erklärte man noch, daß seine Wirbelsäule offen sei. Deshalb leitete man die Geburt künstlich ein.

Nach einer langen, schweren Geburt stellte sich heraus, daß die Diagnosen fehlerhaft waren. Leider erlitt unser Sohn bei seiner Geburt einen Schlaganfall. Er mußte 2 Monate lang auf der Neurologie bleiben, ein Shunt wurde ihm einoperiert ...

Bis zum 5. Monat war er blind als Folge des Schlaganfalls, sein Gehirn entwickelte sich nicht, das Zentralnervensystem wurde geschädigt. Er wurde wegen eines Leistenbruches operiert. Sein Ohr wurde wegen ständiger Entzündungen geöffnet. Aufgrund von Problemen mit seinem Magen, erbrach er dauernd, was wieder zu starkem Gewichtsverlust führte. Man operierte seine Archillessehne, setzte einen neuen Shunt ein. Sein Oberschenkelmusker war nicht am rechten Platz. Deswegen mußte auch hier eingegriffen werden.

Endlich hörte der Gehirnschwund auf, verschlechterte sich nicht mehr. Seine linke Körperhälfte blieb jedoch gelähmt, er lebt mit einem Shunt-Implantat, leidet unter Epilepsie und ist geistig zurückgeblieben.

Gegenwärtig besucht er eine Spezialschule, welche 150 km von unserem Wohnort entfernt ist. Leider gibt es näher bei uns keine Schule, welche ihn aufnehmen würde. Zu schwer sind seine Leiden. Aber seine Schule gefällt uns sehr gut. Er ist sehr gern dort und macht auch schulische Fortschritte. Unser Ziel ist es, daß er, wenn er erwachsen ist, sich einigermaßen selbst versorgen kann. Das ist freilich noch ein langer Weg bis dahin. Aber es ist unsere Aufgabe, ihn dabei zu unterstützen.

Er ist sehr gerne in der Schule. Am Freitag freut er sich natürlich immer darauf, daß wir ihn abholen und er das Wochenende mit uns verbringen kann. Leider können wir das Geld für das Benzin nicht immer aufbringen, so daß wir ihn meist nur alle 2 Wochen abholen können. Wenn unser Auto wiedermal kaputt ist, geht es deswegen nicht.

Ich wollte eigentlich kein Kind mehr, da es mit Robi so schon schwer genut war. Aber mein Mann wünschte sich so sehr ein Mädchen. Es war die Zeit nach dem EU-Beitritt Ungarns und seitens der Politik wurde eine positive Stimmung verbreitet. So entschlossen wir uns zu einem weiterem Kind. Noémi wurde geboren, gesund ...

Als Robi 4 Monate alt war, mußten wir aus dem Haus meines Vaters ausziehen. Es ging dort einfach nicht mehr. Wahrscheinlich hielt er die Belastung mit dem Baby nicht aus und wurde sehr feindselig auf uns. So nahmen wir einen Kredit auf und kauften ein altes, 40 Quadratmeter großes Bauernhaus am Rande der Ortschaft. Vor 2 Jahren bauten wir aus geschenkten Baumaterialien ein Badezimmer ein. Bis dahin hatten wir nur eine Außentoilette draußen im Hof. Freilich wurde so die Küche kleiner. Aber über das Badezimmer freuen wir uns sehr. Zum Leben bleibt uns ein einziges Zimmer. Aber das ist in Ordnung so. Und hinsichtlich der Heizkosten sind wir froh, daß wir kein größeres Haus haben.

In den vergangenen 3 - 4 Jahren sind die folgenden Dinge geschehen:

Wegen Noémi habe ich Mutterschaftszeit. das heißt, daß ich nicht arbeiten muß und mir der Staat monatlich ca. 80 Euro zahlt. Leider läuft diese Zeit langsam ab. Auf Arbeit habe ich leider keine Aussicht. Es gibt hier einfach nichts. An den Wochenenden, wenn mein Mann zu Hause ist und auf die Kinder aufpaßt, fahre ich jedoch so oft es geht nach Budapest zum Putzen.

Unser 25 Jahre altes Auto mußten wir gegen einen neueren 10 Jahre alten Opel eintauschen. Das ging freilich auch nur wieder auf Kredit. Wir sind uns bewußt, daß jeder weitere Kredit auch weiter Zinsbelastung bedeutet. Aber irgendwie müssen wir Robi ja zur Schule bringen können und wieder von dort abholen, gelegentlich zum Arzt ...

Mein Mann Robert arbeit bei der ungarischen Bahn und verdient dort als Brückenbauschlosser und Fahrer ca. 300 Euro monatlich (Stand März 2009). Nach der Arbeit arbeitete er bis vor einigen Monaten noch in Budapest bei einer Reinigungsfirma. Er hielt die doppelte Belastung jedoch gesundheitlich nicht mehr aus und mußte die Arbeit so aufgeben.

So blieben uns nur noch ca. 100 Euro zum Leben abzüglich der Kosten für die Kredite.

Aufgrund der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation sind die Zinsen unserer Kredite so angestiegen, daß uns derzeit nur noch ca. 60 Euro im Monat zum Leben (Lebensmittel, Heizung, Gasflasche zum Kochen) bleiben. Bekleidung ist im Moment leider unerschwinglich für uns. Am allermeisten bedauern wir, daß wir unseren Robi nicht mehr jede Woche übers Wochenende nach Hause holen können

So essen wir im Moment abwechseln Margarine- und Schmalzbrot. Zu mehr reicht es im Moment nicht. Natürlich möchten wir unseren Kinder mehr geben und es tut uns weh, daß wir es nicht können.

Gelegentich kommt es vor, daß uns jemand etwas Geld gibt. Das nutzen wir dann dazu, um etwas abwechslungsreichere Kost zu kaufen oder Robi von der Schule abzuholen. Wir nehmen das Leben, wie es kommt, sind den Umständen entsprechend eigentlich eine ganz glückliche Familie. Nur langsam wird es wirklich sehr eng.

Es ist nicht unsere Art, andere Leute um Hilfe anzubetteln. Aber wir in Hinblick auf unsere Kinder, zwingt uns das Schicksal dazu. Deshalb möchten wir Sie bitten, uns etwas zu helfen:

Wir können eigentlich alles gebrauchen, was man zum Leben benötigt: Essen, Feuerholz, Bekleidung, Schulmaterialien für die Kinder, Geld ... Auch Hinweise sind gerne willkommen, wohin wir uns um Unterstützung wenden können.

Haben Sie keine Angst, wenn Sie uns etwas schicken möchten. Wir nehmen nur so viel, wie wir zum Leben brauchen. Wenn z.B. mehr Bekleidungsgegenstände ankommen sollten, so geben wir diese an andere Bedürftige weiter. Viele Familien mit behinderten Kindern sind in Ungarn von ähnlichen Zuständen betroffen.

Wir sind uns im Klarem darüber, daß es nicht nur uns allein schlecht geht. Wir sind froh darüber, daß sich die Möglichkeit zum Schalten dieser Internetseiten geboten hat und würden uns sehr freuen, wenn sich dadurch unser Leben etwas vereinfache. Wir geben uns große Mühe, die Dinge positiv zu sehen und das Beste aus den Dingen zu machen, manchmal ist es jedoch schon sehr schwer ...

Wir sind auch für einen Link aus Ihrem Forum, Ihrer privaten Homepage oder Ihrem Blog auf diese Seiten sehr dankbar.

Wir möchten uns bei allen, die uns helfen wollen, schon im Voraus bedanken und werden später gerne an dieser Stelle darüber berichten.

Gedanke:

Bleibt postiv und haltet zusammen. Versucht zu Lächeln, auch wenn es schwer zu sein scheint. Liebt und gebt Liebe, so werdet ihr auch geliebt werden.

Danke, daß Sie diese Zeilen bis zu Ende gelesen haben.